Motorik
284 Einträge
Bewegungswahrnehmung
Bewegungswahrnehmung (movement perception), “sinnlich-rationale Form der Widerspiegelung von Bewegungen, im Sport im engeren Sinne die Wahrnehmung des eigenen Bewegungsablaufes“ (Mathesius, in Schnabel & Thieß, 1993, S.169). Eine wesentliche Komponente sind kinästhetische Empfindungen, die nicht "bewusstseinspflichtig", nicht einmal "bewusstseinsfähig" sind (Hacker, 2005, S.247). Die einfache Bewegungswahrnehmung ist auch nicht an die Sprache gebunden. Mancher Anfänger kann…
Carpenter-Effekt
CARPENTER-Effekt (ideomotor-effekt), nach dem engl. Physiologen Carpenter benannter Effekt, wonach bereits eine Bewegungsvorstellung zum Mitvollzug im Sinne von Mikrokontraktionen führt. Dieses Zusammenspiel von Gedanken und Körper wird im ideomotorischen Training genutzt. Beispiele: Das „Mitbremsen“ des Beifahrers oder im Sport der Wasserspringer, der seinen Sprung vorher in gleicher zeitlicher Reihenfolge im Kopf vollführt und sich dabei…
Cerebralparese
Cerebralparese (cerebral palsy) - von cerebrum (Gehirn) und →parese (Lähmung) - versteht man Bewegungsstörungen, deren Ursache in einer frühkindlichen Hirnschädigung liegt. Die dadurch hervorgerufene Behinderung ist charakterisiert durch Störungen des Nerven- und Muskelsystems im Bereich der willkürlichen Bewegungskoordination. Am häufigsten sind spastische Mischformen und eine Erhöhung der Muskelspannung (Muskelhypertonie). 1981 nahm der erste Cerebralparetiker an…
Chunk-Bildung
Chunk-Bildung (chunking), (chunk = engl. Bündel): das Bündeln von akustischen oder visuellen Informationen zu Bedeutungseinheiten bei der Speicherung im →Gedächtnis. Beispiel: Beim Schwimmen werden verschiedenen Teilkomponenten miteinander verbunden: Arm-und Beinbewegung, Atmung usw. Während sich der Anfänger noch auf einzelne Elemente konzentrieren muss, z.B. Kniewinkel, Fußeinsatz …werden diese Teilkomponenten zu größeren Einheiten verknüpft, z.B. Beinbewegung. Diese…
Closed-loop-Kontrolle
Closed-loop-Kontrolle (closed-loop movement), Modell der Bewegungssteuerung auf der Grundlage kontrollierter Bewegung, die durch eine ständige Rückmeldung über den Ablauf charakterisiert ist. Der Begriff ist der Kybernetik entlehnt („geschlossene Schleife“) und geht auf den amerikanischen Psychologen Adams zurück. Das Closed-Loop-Modell wird inzwischen in der Lerntheorie kritisch gesehen. Das betrifft den eingeschränkten Geltungsbereich, die Annahmen zur Ausbildung…
Darbietung
Darbietung (presentation), „Verbale und visuelle Information durch den Sportpädagogen mit vorwiegend rezeptiver(aufnehmender) Auseinandersetzung des Übenden mit dem Übungsgut“ (Krüger in Schnabel & Thieß, 1992, S.198). Darbietung ist als methodische Grundform am Beginn der Ausbildung besonders wirkungsvoll durch die Demonstration der angestrebten Bewegung oder durch den Einsatz audio-visueller Lehrmittel. Besonders Kinder sind Meister im Nachmachen. Das…
deduktiv
deduktiv (deductive), lat. von dē „davon“ + dūcere "leiten“; das logische Schließen vom Allgemeinen zum Besonderen. So wird beim deduktiven Denken von bestehenden Voraussetzungen auf das Besondere abgeleitet, man versucht die Richtigkeit einer Theorie an einem konkreten Beispiel zu erklären. Bei der deduktiven (trainergeführten) Lehrmethode gibt der Trainer ein konkretes Leitbild (z.B. Kraul Beinbewegung) vor…
Denken
Denken (thinking), „Prozess des inneren Handelns, bei dem Wahrnehmungs- und Vorstellungsinhalte miteinander in Beziehung gebracht werden, wobei Begriffe und Worte, also Sprache, eine wichtige Funktion haben…Denken ist eine interpretierende und Ordnung schaffende Verarbeitung von Informationen“ (Gabler, 2000), auch „Ordnen des Tuns“ (Aebli, 1980) oder „Reden mit sich selbst“ (Immanuel Kant 1724-1804). Denken ist das entscheidende…
Differenzierung
Differenzierung (differentiation), lat. differentia „Unterschied, Verschiedenheit“; allg. Unterscheidung, Abgrenzung; in der Psychologie das Vermögen, die Umwelt in ihren verschiedenen Bestandteilen und Strukturen wahrzunehmen, zu erkennen und darauf zu reagieren; in der Biologie die strukturelle Spezialisierung von Zellen oder biologischen Strukturen in der Ontogenese. in der Motorik äußert sich Differenzierung darin, „dass sich aus den anfänglich…
Differenzierungsfähigkeit
Differenzierungsfähigkeit (differentiation ability), auch kinästhetische oder motorisch Differenzierungsfähigkeit, Komponente der koordinativen Fähigkeiten zum Erreichen einer hohen Feinabstimmung von Bewegungsphasen oder Teilkörperbewegungen, die sich in Bewegungsgenauigkeit und Bewegungsökonomie äußert (Meinel & Schnabel, 2004, S.221), z.B. das Einfädeln in eine Nadel. Sie ist gleichzeitig Voraussetzung für weitere koordinative Fähigkeiten wie z.B. Gleichgewichts- und Rhythmusfähigkeit. Eine wesentliche Grundlage…
Diskrepanzinformation
Diskrepanzinformation (diskrepancy information), lat. dis-crepare „auseinander krachen, ‚verschieden knarren“; Im motorischen Trainingsprozess die Überprüfung der Diskrepanz zwischen der realisierten und der im Rahmen des Trainingsprozesses vorgesehenen Bewegung. Die Information von außen (extrinsisches Feedback) erhält der Sportler vom Trainer, beginnend mit dem Neulernen von Bewegungen bis hin zur Optimierung von Bewegungshandlungen (→variable Verfügbarkeit). Ohne Information über…
Disponibilität, motorische
Disponibilität, motorische (disponibility, motor), lat. dispono „hier und dort aufstellen, über sich verfügen“; variable Verfügbarkeit über verschiedene Bewegungsfertigkeiten und konditionelle wie koordinative Fähigkeiten im Sinne einer umfangreichen Bewegungserfahrung. Kinder sollten vielfältige Bewegungserfahrungen sammeln, die nach dem Baukastenprinzip variabel verfügbar sind und auch in schwierigere, kompliziertere Bewegungsabläufe integriert werden können (Roth, 1982). So ist Disponibilität grundsätzliche…
distal
distal (distal), lat. „sich entfernen", Richtungsbezeichnung in der Anatomie: von der Körpermitte entfernt, Gegensatz: →proximal Mehr zum Thema: http://flexikon.doccheck.com/de/Distal (Zugriff am 21.01.2019)
Drehseitigkeit
Drehseitigkeit (rotational laterality), Form der Seitigkeit, die sich in der Bevorzugung einer bestimmten Drehrichtung (z.B. bei Schraube) äußert. Einige Autoren differenzieren noch in Wendigkeit (Bevorzugung einer Drehrichtung um die Längsachse) und Seitwendigkeit (Bevorzugung einer Drehrichtung um die Tiefenachse). →Drehbewegung Durch eine Vielzahl von Einzeluntersuchungen konnte die Dominanz der Linksbevorzugungen beiKörperdrehungen bestätigt werden. So bevorzugen zum…
Dysmetrie
Dysmetrie (dysmetria), griech. dys „falsch“ und metrein „messen“; Störung in der Bewegungsausführung, die entweder zu weitläufig ist oder das vorgesehene Bewegungsausmaß nicht erreicht (Entfernungsfehlleistung), wodurch fortlaufende, willkürlich gesteuerte Korrekturen erforderlich sind. Dysmetrie gilt als typisches Symptom der Kleinhirnhemisphärenschädigung. →Behindertenschwimmen Mehr zum Thema: http://flexikon.doccheck.com/de/Dysmetrie (verfasst von D. Paschke)
Dystonie
Dystonie, muskuläre (dystonia), griech.dys- „schlecht“, „falsch“ und tonos „Spannung“; anhaltende oder zeitweise auftretende unwillkürliche Muskelanspannungen als Folge einer fehlerhaften Ansteuerung der Muskulatur durch die Gebiete des Gehirns, die normalerweise die Muskelaktivität abstimmen. Die genauen Ursachen von Dystonien sind noch unklar und zumeist genetisch veranlagt. Sekundäre Dystonien sind meistens auf ein Ereignis (z.B. an ein Schädel-Hirn-Trauma),…
Effektor
Effektor (effector), (lateinisch efficere ‚bewirken‘), „Erfolgsorgan“ = Teil eines Organs, Gewebes, oder einer neuronalen Struktur (die Nervenzelle mit ihren Fortsetzungen betreffend), der den Endpunkt eines zielgerichteten physiologischen Ablaufs darstellt, auch direkt ein Stoff (z.B. Kalzium), der die Wirkung von Enzymen beeinflusst. Effektor in dem Sinne ist z.B. die Nervenfaser, die Reize vom Zentralnervensystem zum Muskel…
efferent
efferent (efferent), lat. effere „heraustragen“; Leitungsrichtung der Nervenfaser, herausführend, ableitend vom Nervensystem zum Zielorgan. Gegenteil ist →afferent, →Efferenz, →Efferenzkopie Beispiele aus dem Sport: Der Nachweis der erreichten anaeroben Schwelle (Peinado et al. 2014) ist ein Zeichen dafür, dass das Zentralnervensystem (ZNS) über eine Erhöhung der efferenten Aktivität über das periphere Nervensystem (PNS) reagiert. Startsprung – das…
Efferenz
Efferenz (efference), lat. effere „heraustragen“; Erregungen, die von den Nervenzellen abgeleitet werden. Sie ermöglichen die Regulation von Bewegungsausführungen auf der Grundlage von Efferenz- Kopien als Soll-Istwert-Vergleich (→Reafferenzprinzip). Man kann das Nervensystem mit einem Computer vergleichen, der Sensoren (→Sinnesorgane), Eingänge (→Afferenzen), Ausgänge (Efferenzen) und ein Netzwerk von teilweise selbstständigen Segmenten (Rückenmark) hat, die mit einem Großrechner…