Motorik
284 Einträge
Auftaktbewegung
Auftaktbewegung (initial movement), in der Biomechanik wird eine Bewegung, bei der eine hohe Endgeschwindigkeit erreicht werden soll, nach dem Prinzip der Anfangskraft (Hochmuth, 1967) durch eine entgegengesetzt gerichtete Bewegung eingeleitet. Wichtig ist hierbei, die einleitende Bewegung flüssig in die eigentliche Bewegung zu überführen. Die entgegengesetzte Bewegung wird in der Praxis durch eine Auftaktbewegung realisiert. →Ausholbewegung …
Ausgleichsbewegung
Ausgleichsbewegungen (compensatory movements), a. reflexartige Bewegung zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts b. korrigierende Bewegung (Gegenbewegung) bei einseitiger Belastung zur Stabilisierung der Körperhaltung, wenn z.B. durch gezielte Streckübungen der im Alltag dominanten „Beuge-Ansteuerung“ entgegengesteuert wird.
Ausholbewegung
Ausholbewegung (draw-back movement; countermovement), Bewegung zur „Schaffung optimaler Voraussetzungen für die erfolgreiche und ökonomische Ausführung der Hauptphase“ (Schnabel & Krug, 2007). Beispiel: Zurückschwingen der Arme vor einem Startsprung mit Senkbewegung des Körpers durch Beugung in Fuß-, Knie- und Hüftgelenk. Dadurch werden für die Arbeitsmuskulatur ein optimaler Arbeitsweg und günstige Winkelverhältnisse geschaffen. Die Ausholbewegung wird entgegengesetzt…
Automatisierung
Automatisierung (automation), lat. automatus „aus eigenem Antrieb“; Organisation technischer Vorgänge, die selbstständig und damit weitgehend ohne menschliches Zutun ablaufen In der Trainingswissenschaft die „durch häufiges Üben bewirkte Vervollkommnung bzw. Perfektionierung motorischer Handlungen, die eine bewusste Ausführung und Kontrolle entbehrlich macht“, ohne dass das Bewusstsein völlig ausgeschaltet ist und bei Störungen eingreifen kann (Schnabel & Thieß,…
azyklisch
azyklisch (acyclical), im Sport auf nicht kreisförmige, sich nicht wiederholende Bewegungsform bezogen, wie z.B. im Schwimmen der Start oder die Wende. →Bewegung, azyklische
Basalganglien
Basalganglien/Basalkerne (basal ganglia), Nervenzellen unterhalb der Hirnrinde, deren Hauptaufgabe die Regulation der Motorik ist („Zentrale der Bewegungsprogramme“). Indem sie willentliche Bewegungen erleichtern und störende andere Bewegungen hemmen, spielen sie auch bei der Koordination sportlicher Bewegungen eine wesentliche Rolle. Beispiel für eine Willkürbewegung: Der linke Stirnlappen möchte, dass über eine Latte gesprungen wird und entwirft dazu…
Beobachtungslernen
Beobachtungslernen (observational learning), Lernprinzip, bei dem durch Beobachtung des Verhaltens anderer versucht wird, das eigene Verhalten zu ändern oder anzupassen (→Nachahmen). Deshalb spricht man auch vom Modell-Lernen oder sozialen Lernen. Besonders bei Kindern mit ihrem ausgeprägten Nachahmungsbedürfnis spielt das Beobachtungslernen eine große Rolle und der Trainer kann Zeit und Geduld sparen, vorausgesetzt er hat auch…
Bewegungsanweisung
Bewegungsanweisung (motor instruction), „methodische Maßnahme, bei der die Sportler über verbale und/oder nichtverbale (u.a. Bildmaterial) Informationen mit deutlichem Aufforderungscharakter zur Realisierung einer bestimmten Bewegungshandlung und der dabei zu erfüllenden Anforderungen veranlasst werden“ (Röthig & Prohl, 2003, S.85). Die Bewegungsanweisung geht von einem Leitbild aus und hat dabei den durch Wettkampfbestimmungen fixierten Rahmen zu beachten. →deduktives…
Bewegungsarten
Bewegungsart (movement, type of), (Biomech.): Differenzierung von Bewegungen nach ihrer zeitlichen Struktur, wobei die Geschwindigkeit und die Beschleunigung die maßgeblichen Größen darstellen. Durch die physiologischen Grenzen sind die Bewegungen im Schwimmen über die (längere) Strecke ungleichförmig bei nachlassender Beschleunigung.
Bewegungsaufgabe
Bewegungsaufgabe (movement task), unterschiedlich gebrauchter Begriff, von Bewegungshandlung, Bewegungslernaufgabe bis Bewegungsanweisung. Die Bewegungsaufgabe steht am Beginn des Erlernens einer Bewegung, muss kognitiv erfasst (verstanden) werden und mit einem Ziel versehen sein (→Bewegungsvorstellung). Wichtig ist eine verständliche, dem Alter angemessene Formulierung und die Konzentration auf Teilaspekte (z.B. Behebung eines Fehlers und nicht mehrere auf einmal).
Bewegungsautomatisierung
Bewegungsautomatisierung (movement automation), „Entwicklung und Stabilisierung von relativ stereotypen, an bestimmte interne und/oder externe Auslöser geknüpfte Bewegungsmuster (Fertigkeit) im motorischen Lernprozess und Übungsprozess“ (Nitsch, 2000, S.105). Neurobiologisch kann die Automatisierung von Willkürbewegungen durch eine zunehmende Bewegungsautomatisierung mit synaptischen Plastizitätsvorgängen im kortikokortikalen und kortikostriatalen System erklärt werden, die vermutlich zu Veränderungen in den neuronalen Repräsentationen der…
Bewegungsbeobachtung
Bewegungsbeobachtung (movement observation), planmäßige und systematische Wahrnehmung sportlicher Bewegungen als einfachste Kontrollmethode in der technischen Ausbildung. Sie ist das erste Element der Handlungskette des Trainers im Techniktraining (s. Abb.) und aus dem tagtäglichen Training nicht wegzudenken. Bewegungsbeobachtung ist veranlagt (→Bewegungssehen), kann aber auch durch eigene Bewegungserfahrung und Kenntnisse über die Technik geformt werden. Dabei sollte…
Bewegungsdrang
Bewegungsdrang (movement drive; agitation), motorische Unruhe, unwillkürliche, übermäßige Beweglichkeit in bestimmten Entwicklungsphasen (als natürlicher Bewegungsdrang) oder krankheitsbedingt (Manie und andere Geistesstörungen). Der Bewegungsdrang ist offensichtlich genetisch verankert. So sind einige Menschen von Natur aus träge, während andere kaum stillsitzen können, mit den Fingern auf der Tischplatte trommeln, mit dem Fuß wippen oder herumzappeln. Der innere…
Bewegungsempfinden
Bewegungsempfinden (motor sensation), „komplexe Disposition zur differenzierten, zweckmäßigen Aufnahme und Verarbeitung sensomotorischer Informationen bei der Realisierung eigener Bewegungshandlungen“ (Hirtz, in Schnabel & Thieß, 1993, S.153), auch kognitiver Aspekt des Bewegungsgefühls. Aus physiologischer Sicht Teil der Propriozeption, der das ZNS über den Bewegungszustand des muskuloskelettalen System informiert. Es wird durch Rezeptoren in Muskeln und Gelenken vermittelt…
Bewegungsentwurf
Bewegungsentwurf (motor plany), →Bewegungsprogramm (motorisches Programm, motorischer Plan)
Bewegungserfahrung
Bewegungserfahrung (motor experience), im Bewegungsgedächtnis gespeicherte Informationen über bisher ausgeführte eigene Bewegungshandlungen im Alltag, in Spiel, Tätigkeiten in Schule und Beruf sowie im Sport. Wichtig ist hierbei das bewusste Erleben vielfältiger Bewegungen, das wegen Bewegungsmangels bei der heutigen Jugend zunehmend verkümmert. Jede Bewegung wird auf der Grundlage alter Koordinationsverbindungen ausgeführt, je mehr „Fertigteile“ zur Verfügung stehen,…
Bewegungserziehung
Bewegungserziehung (movement education), Einsatz von Bewegungen in Verbindung mit erzieherischen Zielen wie z.B. im Sportunterricht oder im Training. Bewegungserziehung ist durch ihre enge Verbindung zu Formen der Wahrnehmung ein Schwerpunkt der Arbeit in den Kindertageseinrichtungen wie auch im Familiensport und durch folgende Ziele gekennzeichnet: →Körpererfahrung, materielle Erfahrung (Geräte), Selbsterfahrung und soziale Erfahrung (Zimmer, 2001). Bereits…