Soziologie
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Professionalisierung
Professionalisierung (professionalization), „Konsolidierung von Berufen in feste Berufsbilder, d.h. die Entwicklung eindeutig festgelegter Zugangsvoraussetzungen und formalisierter Qualifikationsanforderungen, klar definierter Karrieremuster und Aufstiegschancen, die Entstehung einer Standes- und Berufsorganisation (Berufsverband) und schließlich die Orientierung an gemeinsam akzeptierten Verhaltens- und Wertstandards und einem Staatsbewusstsein (Berufsethos), die eine kollektive Reaktion auf gleichartige Situationen bewirken und damit sozial-strukturell begründete…
Profilneurose
Profilneurose (profile neurosis), umgangssprachlich für übermäßigen Geltungsdrang, zumeist um Minderwertigkeitsgefühle zu kompensieren. Sport und Kleingartenvereine sind ein beliebtes Feld für Profilneurotiker, denn wo wird man sonst so schnell „Präsident“, „Vizepräsident“ oder „Vorsitzender“.
Prognose
Prognose (prognosis), Vorhersage eines Ereignisses (z.B. Wetterprognose), Zustandes oder einer Entwicklung (z.B. Finalzeiten, →Karriere). →Talentprognose, →Rudolph-Tabelle, →Prognoseschwimmen Im Leistungssport verbindet man Prognose zumeist mit Vorhersagen von Zeiten und Platzierungen bei Hauptwettkämpfen wie Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften (→Leistungsprognose). Dabei erfordern Trainings- und Wettkampfplanung ständig eine Orientierung auf der Grundlage solider Analysen des Ist-Zustandes. Wie zum Beispiel…
Psychologie, differentielle
Psychologie, differentielle (differential psychology), Teilgebiet der Psychologie, das die Unterschiede zwischen Personen (Persönlichkeitsunterschiede) oder Gruppen untersucht, wie z.B. der Einfluss von Anlage und Umwelt auf unterschiedliches Verhalten, Denken und Fühlen. →Differenzierung Beispiel: Unterscheiden sich Mann und Frau bei psychischen Merkmalen, wie zum Beispiel dem räumlichen Vorstellungsvermögen oder handelt es sich um unbewiesene Vorurteile ("Einparken")? Kritischer…
Rangordnung
Rangordnung (hierarchy; ranking), Reihenfolge mehrerer vergleichbarer Objekte, die nach deren Bewertung (z.B. Weltrangliste im Tennis, Bestsellerliste Literatur) erfolgt (Ordnungsrelation). In der Verhaltensforschung bekanntes System von Beziehungen unter Tieren (und Politikern) ("Hackordnung"). Sportmannschaften und Trainingsgruppen zeichnen sich zumeist durch ein System von Rangordnung aus, das maßgeblich von der Stellung und Wertschätzung der Sportler bestimmt wird. So…
Reproduktion
Reproduktion (reproduction), lat. reproducere „wieder hervorbringen“; vielseitig gebrauchter Begriff, in der Biologie für Fortpflanzung (Reproduktion der Frau), in der Psychologie für das Wiederhervorbringen früherer Gedächtnisinhalte (→Gedächtnis), in der Wirtschaft die Wiederherstellung der Arbeitskraft. Unter sozialer Reproduktion wird die Wiederherstellung bzw. Aufrechterhaltung sozialer Strukturen und Systeme verstanden, die oft zu sozialer Ungleichheit führen. So ist die…
Resilienz
Resilienz (resilience), lat. resilire „zurückspringen ‚abprallen“; in Natur- wie Gesellschaftswissenschaften umfassend gebrauchter Begriff. Für uns naheliegend als psychische Widerstandsfähigkeit gegenüber Lebenskrisen (Krankheit, Arbeitslosigkeit, Ausgrenzung usw.). Kinder, die in einem problembeladenen Umfeld aufwachsen, verfügen später oft über Kompetenzen (Problemlösungsfähigkeit, soziale Kompetenzen, Selbstregulationsvermögen) und Willen sich „durchzubeißen“. Resilienz wird begünstigt durch positive Beziehungen zu Bezugspersonen, biologische Vitalität…
Retirement
Retirement (retirement), (engl.) Altersgrenze; Rentenalter, Ruhestand. In der Sportwissenschaft der „Rückzug aus dem aktiven Leistungssport, nachdem der Leistungshöhepunkt erreicht wurde“ (Gruppe & Mieth, 2001). Im Gegensatz dazu Dropout. Retirement wird von vielen Sportlern auch als das Ende eines Lebensabschnittes empfunden und ist als normales Sozialisationsereignis zu werten (Blinde & Greendorfer, 1985). Die Nachbetreuung (medizinisch, beruflich…
Ritual
Ritual (ritual), lat. ritus „heiliger Brauch“; gesellschaftlich übermittelte und regelmäßig wiederkehrende Handlungen (Brauch) in einer Gruppe, die zur Festigung der Gruppe (→Teamgeist) beitragen. Das dabei festgelegte Zeremoniell nennt man Ritus. Rituale können lebenszyklisch (z.B. Hochzeit, Mannbarkeit), kalendarisch (z.B. Sonnenwendfeier), ereignisbezogen (z.B. Tod) oder im Rahmen bestimmter Interaktionsmuster (z.B. Begrüßung) erfolgen. Wenn man unter Ritual Handlungen…
Rolle, soziale
Rolle, soziale (social role), Verhalten, das die Gesellschaft von einem Menschen in seiner Funktion z.B. als Trainer, Mannschaftskapitän, Kampfrichter, Schwimmwart usw., aber auch in seiner familiären Beziehung (Elternrolle) oder auf das Geschlecht bezogen (Geschlechterrolle) erwartet. Rollen erleichtern das Handeln, da sie einen Verhaltensrahmen vorgeben. Eine Rolle sollte nicht bedenkenlos ausgeübt, sondern immer wieder kritisch hinterfragt…
Rollenkonflikt
Rollenkonflikt (role Konflikt), “Konflikt zwischen den Anforderungen verschiedener Rollen einer Person oder innerhalb einer sozialen Rolle, die zur Verletzung de Rollenerwartung führen, die in der Regel Sanktionen unterliegt“ (DORSCH 2004). Die Soziologen sprechen deshalb von Intra-Rollenkonflikt (die Erwartungen der Außenstehenden lassen sich innerhalb der Rolle nicht vereinbaren) und Inter-Rollenkonflikt (Konflikte zwischen den verschiedenen Rollen einer…
Rollenlernen
Rollenlernen (role-learn), Begriff der Sozialwissenschaften und nicht zu verwechseln mit dem Erlernen eines "Purzelbaums". Menschliches Handeln ist sozial determiniert. Handlungskoordination in Interaktionen ergibt sich aus den sozial normierten Rollen wie Pflichten, Rechte, Erwartungen (Schwinger 2007). Sportler versuchen in dem komplizierten Sozialgeflecht von Leistungssport, Schule und Elternhaus ihre Rolle in der Trainingsgruppe zu finden. Rollenlernen beruht…
Scheidungskinder
„Scheidungskinder“ (children of divorced parents), Kinder, deren Eltern in Scheidung leben oder geschieden sind. Von der Trennung ihrer Eltern waren 2015 rund 150.000 Kinder und Jugendliche betroffen (SZ.de, 27.04.2015). die meisten im Alter von 3-13 Jahren. Scheidungskinder sind anfälliger für körperliche und seelische Störungen, häufig depressiv. Besonders problematisch ist, wenn sie sich Schuld an der…
Schlüsselreiz
Schlüsselreiz (key stimulus), eine instinktive Reaktion auslösender signalartiger Reiz im Sozialverhalten auch als Auslöser bezeichnet. Den Begriff „Schlüsselreiz“ verbindet man mit der Vorstellung, dass die auslösenden Reize einem Schlüssel gleichen, dessen Bart passgenau ein Schloss (Auslösemechanismus) öffnet und damit die nachfolgende Instinktbewegung des Individuums in Gang setzt. Beispiele: Wird ein Hühnerküken unter eine schalldichte Glasglocke…
Selbstbild
Selbstbild (self image), in der Psychologie die bewusste Wahrnehmung von sich selbst, die nicht identisch sein muss mit der Wahrnehmung anderer von einem (→Fremdbild). Zum Beispiel hält sich jemand für großzügig, andere ihn aber für kleinlich und engstirnig. Da das Selbstbild bereits im Kindesalter durch Fehler, Erfolge und Niederlagen geformt wird, liegt auch beim Nachwuchstrainer…
Selbstorganisation
Selbstorganisation (self-organization), ein universelles Prinzip der Natur. Aus der Systemtheorie auf den Alltag übertragen eine nicht von festen Regeln (oder von anderen) bestimmte Lebensgestaltung, eigentlich die eigenständige („Selbst“) Anwendung von Ordnungsformen, politisch →Autonomie. →Selbstmotivierung, →Selbstständigkeit Die Bewegungskoordination ist offenbar wesentlich durch Prozesse der Selbstorganisation bestimmt (Meinel & Schnabel, 2007, S.36). Charakteristische Merkmale der Selbstorganisation sind…
Selbstregulation
Selbstregulation (homeostasis; self-regulation), auch Autoregulation Vermögen, Selbstständigkeit, anforderungsbezogen und bedarfsgerecht zu handeln. Selbstregulation ist ein grundsätzliches Entwicklungsziel im Erziehungs- und Sozialisationsprozess von Kindern; angefangen von der Erziehung zur Sauberkeit bis zum selbstständigen Einhalten sozialer Normen und Rollen. Neben dem Arbeitsgedächtnis ist auch die Fähigkeit zur Selbstregulation für die schulische Lernleistung vergleichbar bedeutsam wie der Intelligenzquotient…
Sinn des Sports
Sinn des Sports (meaning of the sport), die Bedeutung beziehungsweise der Wert des Sports für Menschen oder eine bestimmte Sache, auch gleichbedeutend mit Zweck, Funktion. Als Sinngebungen des Sports werden sechs Sinnbezirke mit fließenden Grenzen zueinander benannt: etwas leisten, gesund leben, etwas erleben, etwas darstellen, ausdrücken, mit anderen zusammen sein und Spannung, Risiko erleben. Diese…
Sitte
Sitte (mores), „Form der sozialen Norm, die in einer Gesellschaft in ihrem Geltungsanspruch und der damit verknüpften Durchsetzbarkeit durch alltägliche Anwendung (Verinnerlichung) verankert und durch Verweis auf Tradition Brauch und moralische und/oder religiöse Gebote legitimiert ist; bezeichnet als Mussnorm sowohl die übergeordnete Kategorie des gesellschaftlich geforderten und erwarteten Mussverhaltens als auch die einzelnen dazu zählenden…
Sorge, elterliche
Sorge, elterliche (parental care), Rechte und Pflichten von Eltern gegenüber ihren minderjährigen Kindern, die im BGB & 1226 geregelt sind. Danach haben Eltern für das minderjährige Kind als Person (Personensorge) und für dessen Vermögen (Vermögenssorge) zu sorgen. Bei Pflege und Erziehung sind die wachsenden Fähigkeiten und Bedürfnisse des Kindes zu beachten. Zum Wohl des Kindes…