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Bewegungslehre

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Muskelaktivität

Muskelaktivität (muscle activity), Die Skelettmuskulatur beträgt beim normalgewichtigen Erwachsenen etwa 40% (Mann) bzw. 35% (Frau) der Gesamtmasse und ist damit das größte Organ des menschlichen Körpers, das zudem als einziges dem Willen unterliegt. Die Muskeltätigkeit ist ein „Bindeglied zwischen Umwelt und inneren Organen“ und zugleich „genetisch fixierte Mitgift unserer Urahnen“ (→Genetik), da die Motorik im…

Muskelkorsett

Muskelkorsett (muscle corset), Gesamtheit der Rumpfmuskulatur mit ihrer stützenden, schützenden (inneren Organe) und Innendruck regulierenden Funktion (→Bauchpresse). Da der Rumpf ein wichtiges Übertragungsglied in der Gliederkette vieler sportlicher Bewegungen ist kommt den dort ansässigen (Bauch- und Rückenmuskulatur) und ansetzenden (Beckenmuskulatur und Schultergürtelmuskulatur) Muskelgruppen eine tragende Rolle zu. →Core, →Körperspannung Exkurs: Ein ausgewogenes Muskelkorsett ist im…

Muskelschlinge

Muskelschlinge (muscle loop), auch Muskelkette, koordinierter Einsatz mehrere Muskelgruppen. Sportliche Bewegungen resultieren immer aus der Arbeit mehrerer Muskeln. „Nicht ein einzelner →Muskel, mag er auch noch so kräftig entwickelt sein, sondern nur die innige funktionelle Verbindung der die Hauptarbeit synergistisch und antagonistisch leistenden, gut aufeinander abgestimmten Muskeln gewährleisten einen reibungslosen, ökonomischen und zugleich ästhetischen Bewegungsablauf“…

Muster, motorisches

Muster, motorisches (motor pattern) →Bewegungsmuster

Nebenfehler

Nebenfehler (side-fault, minor defect), im Qualitätsmanagement ein Fehler, der die Brauchbarkeit nicht wesentlich mindert (z.B. "Schönheitsfehler"). In der Aneignung sportlicher Techniken ein auf Details einer Bewegung beschränkter Fehler, der die Bewegungshandlung nicht grundsätzlich stört. Im Erlernen sportlicher Bewegungshandlungen (Lerntheorie) wird zwischen Haupt- und Nebenfehlern unterschieden (auch Grob- und Feinfehler). Es ist immer zuerst der Hauptfehler…

Neulernen

Neulernen (learn a new movement), auch Neuerwerb, Phase der Erstaneignung usw. Erwerb zentral gespeicherter Bewegungsentwürfe, die von der Zieltechnik abgeleitet sind. Neulernen gelingt zunächst mit Vereinfachungsstrategien und monotonen Wiederholungen (Reischle, 2015, S.113). Die Aufmerksamkeit wird ständig auf die neu zu erlernende Bewegung gelenkt (S.101). In den Ausdauersportarten erfolgt ein Neulernen vor allem "in der Grundausbildung,…

Neurogenese

Neurogenese (neurogenesis), Neubildung von Nervenzellen. Bis zu Ende des letzten Jahrhunderts nahm man an, dass Nervenzellen bereits im Säuglingsalter aufhören sich zu teilen. Damit könne das Gehirn seine Leistung nur noch auf einem bestimmten Niveau halten, das im Alter noch abfällt. Inzwischen hat man in zahlreichen Untersuchungen nachweisen können, dass die Entwicklung des Gehirns ein…

Neurophysiologie

Neurophysiologie (neurophysiology), Bereich der Physiologie, genauer der Neurologie, der sich mit Aufbau und Funktion des Nervensystems befasst. Neurophysiologische Untersuchungsmethoden gewähren heutzutage tiefere Einblicke in die Arbeitsweise des Gehirns und dessen Anpassungsfähigkeit. Somit beeinflusst die Neurophysiologie zunehmend die Lernpsychologie und damit die Ableitung von Lerntheorien. →mentales Training Erst die Verknüpfung von sensorischen und motorischen Nervenzellen (Sensomotorik)…

Orientierungsfähigkeit

Orientierungsfähigkeit (orientational ability), Komponente der koordinativen Fähigkeiten zur „Bestimmung und zieladäquaten Veränderung der Lage und Bewegung des Körpers in Raum und Zeit bezogen auf ein Aktionsfeld (z.B. Schwimmbahn, Wende) oder ein sich bewegendes Objekt (z.B. Gegner)“ (Meinel & Schnabel 2004). →Propriorezeptoren Da sich der Schwimmer in einem ungewohnten Medium befindet spielt die Orientierungsfähigkeit im Bereich…

Orientierungswert

Orientierungswert (planning target) →Norm  

Paradigma

Paradigma (paradigm), griech. Parádeigma „begreiflich machen“ bis „Weltsicht“; grundlegender Orientierungsrahmen für den Erkenntnisgewinn und Problemlösungen in der Wissenschaft. So geben Erkenntnisse aus Naturwissenschaften (Biomechanik, Sportmedizin, Bewegungslehre) und Gesellschaftswissenschaften (Sportpsychologie, Sportpädagogik, Sportsoziologie) den Rahmen für die Sportwissenschaft als Querschnittswissenschaft, die somit als „multiparadigmatisches Gebilde“ (Drexel 1995) aufgefasst werden kann. Grundlegende neue Erkenntnisse der Basiswissenschaften können so…

Phase (im Einzelzyklus)

Phase (im Einzelzyklus) (phase), griech. Phasis „Erscheinung“; Zeitabschnitt innerhalb einer Entwicklung; hier Teile einer sportlichen Bewegung. Meinel & Schnabel (2004) strukturierten azyklische Bewegungen in drei Phasen: Vorbereitungs-, Haupt- und Endphase. Bei zyklischen Bewegungen nehmen die erste und letzte Phase den Charakter einer Überleitenden-, Zwischen- bzw. Übergangsphase an. →Phaseneinteilung Bei der Vermittlung und Beschreibung von Schwimmtechniken…

Phase, sensible

Phasen, sensible oder sensitive (sensitive period), der Biologie („Prägung“) entlehnter Begriff, wonach Lebewesen zu bestimmten Zeitspannen über Empfänglichkeiten verfügen, die das gute Heranwachsen erst wirklich ermöglichen. Die Hirnforschung geht auch beim Menschen von kritischen Phasen aus, in deren Zeitraum das Gehirn für bestimmte Erfahrungen und Lernprozesse besonders empfänglich ist (→Lernpsychologie). Verpasst man diese Phasen, können…

Phaseneinteilung (im Schwimmen)

Phaseneinteilung der Schwimmbewegung (phase structuring in swimming), Ehemals (DSSV der DDR) gebräuchliche, aus kinematografischen Untersuchungen abgeleitete biomechanische Betrachtungsweise der Schwimmbewegung, die auf dem Vergleich der relativen horizontalen Extremitätengeschwindigkeit zur Schwimmgeschwindigkeit beruht. Ein Bewegungszyklus = einleitende Phase (ePh) + Hauptphase (Hph) + überleitende Phase (üPh) + vorbereitende Phase (vPh). Lediglich in der Hauptphase ist die relative…

Phasenstruktur

Phasenstruktur (phase structure) →Bewegungsstruktur

Phasenverschiebung

Phasenverschiebung (reflection phase change), in der Physik gegeneinander verschobene Sinusschwingungen. Bei einer Vielzahl sportlicher Bewegungen „Differenz in Form einer zeitlichen Verschiebung der Teilbewegungen, die vom Rumpf aus nach den Endgliedern verläuft.“ (Meinel & Schnabel, 2004, S.120). Typisches Beispiel sind die Beinschlagbewegungen im Schwimmen. →Kette, kinematische Beispiel: Mit einer sensorbasierten Messmethode erfassten Köhler et al. (2015)…

Prinzip der Beidseitigkeit

Prinzip der Beidseitigkeit (principle of ambidexterity), Trainingsprinzip, wonach bei Bewegungshandlungen oder Bewegungsaktionen linken wie rechten Extremitäten die gleiche Aufmerksamkeit gewidmet wird. Wenn diese Befähigung zur beidseitigen Ausführung besonders in den Sportspielen eine Rolle spielt, so sollten auch im Schwimmen Armzüge und Beinschläge beider Seiten von annähernd gleicher Qualität sein. So können an der FES-Armzugbank Kraft…

Prinzip der Einheit von Wahrnehmung und Bewegung

Prinzip der Einheit von Wahrnehmung und Bewegung (principle of the unit of perception and movement), Bei jeder Bewegung wird wahrgenommen und zugleich gibt es keine Wahrnehmung ohne Bewegung. Nach Schilling (1987,25) ist das Erlernen komplizierter Bewegungsmuster nur auf der Grundlage einer ungestörten kognitiven Verarbeitung von Sinnesreizen möglich. Ob geplant oder instinktiv, die Motorik des Menschen…

Pronation

Pronation (pronation), lat. pronare - verbeuen, bücken; Drehung von Hand oder Fuß bei gleichzeitigem Heben des äußeren und Senkung des inneren Handballens bzw. Fußrandes. Gegenteil: Supination (Gedächtnisstütze für Hand: bei Pronation liegt die Hand wie beim Brotschneiden“). Durch Supination und Pronation kann der Fuß an unterschiedliche Bodenprofile angepasst und damit die Kontaktstabilität zur Auflagefläche erhöht…

Propriozeption

Propriozeption (proprioception), „Erfühlen der Körperposition im Raum (→Körperhaltung)“ oder "Eigenwahrnehmung" durch Propriorezeptoren als eine wesentliche Voraussetzung im Bewegungslernen und des Wassergefühls (auch Tiefensensibilität), →Kinästhesie, →Orientierungsfähigkeit, →Gleichgewichtsfähigkeit Das Verständnis der Propriozeption und ihrer Beeinflussung durch Verletzungen, Rehabilitation und Training ist entscheidend für die Einführung wirksamer Maßnahmen zur Behandlung und Prävention von Verletzungen. Bei Wettkampfsportlern war die…